Lebensweg zum Buchbinden

Während ich letztes Jahr meinen kleinen Werkraum einrichtete und dazu sämtliches Material aus meinem bisherigen Arbeitszimmer aussortieren musste, stellte ich doch etwas erstaunliches fest: Das meiste davon gehörte zum Buchbinden! Zu dem Zeitpunkt war das gar nicht so klar und eindeutig wie es heute ist, denn ich hatte und habe noch sehr viele andere Hobbies, die ich gerne ausführe. Lange war ich in einer Art Krise, weil ich nicht wusste, auf was ich mich konzentrieren sollte mit der wenigen Freizeit die ich hatte. Es war das Bedürfnis da, eine Sache richtig gut zu können und nicht alles so lala.

Schulzeit ist Lehrzeit


Das Buchbinden kam mir schon sehr früh in meiner Schulzeit unter – meine Mutter hatte letztens erst einen Mini-Einband gefunden, den ich anscheinend in der 6. Klasse gebunden habe – nur weiß ich davon nichts mehr. In der Realschule haben wir in WTG auch mal einen Ordner eingebunden mit eigenem Kleisterpapier – wir verwendeten so ein total cooles Tool, das man über die Kleisterfarbe zieht und eine Holzoptik ergibt xD. Richtig Lust hatte ich auf das Einbinden aber anscheinend nicht.

Später in der FOS in Gestaltung war in den Praxiswochen neben Hoch- und Tiefdruck auch Buchbinden dabei. Hier lernte ich erste Techniken wie Boxen bauen, Leimbindung und ordentliches Einschlagen von Papier. Der Fokus lag aber noch lange auf dem Zeichnen.

Die vielseitige Ausbildung der Fachlehrer

Als Abschlussprojekt für das Fach Faserstoffe band ich mein großes Buch im mittelalterlichen Stil mit selbst geprägten Kupferbuchecken, gefüllt mit Büttenpapier und gebunden in Kunstleder mit zwei Bändern zum Schließen. Das war der Zeitpunkt, dass das Bücherbinden mein Herz erobert hat! 2014 habe ich am ifl mein erstes Staatsexamen geschrieben und somit den Abschluss mit Fach-Abi gemacht.

Man lernt nie aus

Seit September 2018 habe ich meine Schule und damit Arbeitsplatz ganz in der Nähe und muss nicht mehr so weit fahren. Das wirkt sich deutlich auf meine Freizeitgestaltung aus. Ich werde immer besser und seit dem hänge ich mich im Selbststudium richtig rein, wälze Bücher und informiere mich online. Und mit der neuen Werkstatt, den Maschinen und Möglichkeiten das Material auch ordentlich zu lagern, mit dem Ziel vor Augen, dass es das ist, was ich machen möchte, freue ich mich, mich ständig weiter zu entwickeln, zu Lernen, zu Erkunden und andere auch zu Inspirieren, Bücher zu lieben und zu verwenden!

ich mit meinem Projektbuch im mittelalterlichen Stil