Die Seele frei schreiben

Schreib an dich!“ ist der Titel eines kleinen Heftleins von Angelika von Aufsess über verschiedene Arten, ein Tagebuch zu führen. Obwohl oder vielleicht auch gerade weil so vieles digital abläuft in unserem Alltag, besinnen sich doch einige unter uns wieder mehr auf Stift und Papier. Für mich war das Schreiben per Hand schon immer etwas Schönes, nur wusste ich nie, was ich schreiben soll oder wie.

Meine bisher gefüllten Tagebücher über die letzten Jahre – angefangen mit dem hellen Heft. Jedes Notizbuch hat andere Vor- und Nachteile, probiere einfach verschiedenes aus!

Dabei hat es sehr viele Vorteile sich Probleme, Gedanken oder auch Emotionen „von der Seele“ zu schreiben. Und über die Hand fließt es viel leichter hinaus auf das Papier. Ein weiterer Vorteil gegenüber digitalen Medien ist, dass Papier und Stift überall zur Hand sind, es schnell geht und man auch kritzeln kann. Auch eine Skizze oder kleine Zeichnungen sind unkompliziert einfach in den Text integrierbar.

Am wertvollsten ist es jedoch, dass man später oft nur anhand der Schrift die Emotionen ablesen kann. „oh, da war ich aber echt wütend“ oder „wie sorgfältig, da hatte ich viel Ruhe und Geduld“. Rückblickend ist also nicht nur der Inhalt interessant, sondern auch das Schriftbild. Doch wie fängt man an? Ist das nicht total out? Und wie sieht so ein Tagebuch eigentlich aus?

Wichtigstes zuerst: du schreibst nur für dich selbst. Es ist also erst mal völlig egal wie es aussieht, hauptsache es gefällt dir und bringt dich weiter. Denn die wichtigste Aufgabe des Tagebuches ist es, deine Gedanken aufzunehmen und zu verwahren, egal ob man es mal wieder lesen wird, nach einigen Jahren verbrennt oder sogar seinen Enkeln vererben möchte… in erster Linie ist es ein Gefäß für Dinge, die du anderen nicht erzählen willst oder kannst, die zu verwirrend oder privat sind, es einfach Bullshit ist oder du gerade keinen Ansprechpartner hast. Ganz egal, das Tagebuch nimmt dir all das ab und in sich auf.

Einfach drauf los schreiben, frei von der Seele weg!

Ein paar hilfreiche Inspirationen und Formen stelle ich dir hier vor, so hast du einen Anfang – denn der ist bekanntlich neben dem Durchhalten mit das Schwerste. Dazu später mehr. Zum Schreiben brauchst du natürlich erst mal zwei wichtige Werkzeuge. Notizbuch und Stift. Wie diese beiden Dinge aussehen ist völlig dir überlassen. Wichtig ist nur, dass du beides gerne verwendest und es sich auch gut verwenden lässt.

Mein erstes Tagebuch war nur ein Heft mit etwas besserem Umschlag – denn auch ich war mir nicht sicher, ob ich durchhalte und wollte nicht gleich ein schönes Buch „einsauen“. Das Heft war bei dem „Schreib an dich!“-Heft dabei und ludt förmlich zum Schreiben ein. Das Set hatte ich mir gekauft, als mein altes Kaninchen „Bunny“ schwer krank war, ich musste meine Sorgen einfach irgendwo abladen. So hatte es angefangen.

Schreiben kannst du mit jedem Stift. Ich persönlich schreibe gern mit Füller, sie gleiten so schön über das Papier. Aber auch Bleistifte machen ab und an Spaß, nur tut mir bei längeren Texten dann doch die Hand weh. Mit was ich gar nicht schreiben kann, sind Kugelschreiber – meine Handschrift wird so krakelig und schmierig. Aber genau das kann man alles im Tagebuch austesten, denn du kannst jederzeit dein Schreibgerät wechseln – auch mitten im Satz! Keine falsche Bescheidenheit, keinen unnötigen Perfektionismus an den Tag legen. Das verleidet dir sonst nur den Spaß und Nutzen, den das Schreiben bringen kann.

Wichtige Ereignisse oder Ideen die du wiederfinden möchtest, kannst du mit bunten Klebestriefen oder anderen Marken mit oder ohne Farbcode markieren.

Arten ein Tagebuch zu schreiben

Das Wort Tagebuch implizieren viele mit täglichem Schreiben langer Texte, doch reichen ein paar Worte, vielleicht eine Skizze oder sogar nur ein eingeklebtes Kinoticket. Auch ein „Wochenbuch“ ist ok – aber irgendeine Art von Regelmäßigkeit wäre schon sinnvoll, denn um Routine zu schaffen möchte diese Tätigkeit erst mal aktiv betrieben werden. Um einen größeren Nutzen aus seinen geschriebenen Gedanken zu ziehen als nur eine „Müllhalte“ zu sein, braucht es natürlich auch eine gewisse Häufigkeit der Einträge. Und wenn nichts passiert ist an dem Tag, dann schreibe vor dem Schlafengehen wenigstens „Heute war es langweilig. Gute Nacht.“

Damit wären wir schon bei der ersten inhaltlichen Tagebuchform – banal. Schlichte Satzteile, Stichpunkte, die festhalten, was man so getrieben und erlebt hat. Eine Idee hier, ein Treffen da, ein Gefühl dort. Und schon kann man im Laufe der Zeit sehen, wer man vor einigen Wochen, Monaten oder Jahren war.

Eine weitere Variante ist das notieren innerer Dialoge, oder Briefe an sich selbst. So kann auch Witz entstehen oder auch zu harte Selbstkritik zu Tage treten. Außerdem lässt sich so wunderbar das Gedankenkarusell, das sich sonst schwer anhalten lässt, ausbremsen. Das Hirn wälzt nicht immer und immer wieder die gleichen Gedanken, weil man sie auf dem Papier sprichwörtlich festgehalten hat.

Mit Stempeln lassen sich Seiten schön gestalten und peppen einen Eintrag auf. So macht es Spaß, die Seiten immer wieder aufzuschlagen.

Wer Zeilen nicht leiden kann, es hasst, ganze Sätze zu schreiben oder überhaupt zu formulieren oder einfach gerne kreativ und chaotisch ist, kann auch genau so schreiben. Über die Zeile hinaus, quer, ohne erkennbare grammatikalische Struktur und im total wirren Kauderwelsch. Ja sogar die Rechtschreibung kann mal im Bett bleiben. Einfach die Worte so zu Papier bringen, wie einem der Schnabel gewachsen ist! Super Sache, wenn man gerade wütend ist oder sonstwie Dampf ablassen muss.

Weitere Formen sind das faktische Schreiben wie auf Expeditionen oder Reisen gemacht wird – das kann auch zum Überbrücken dienen wenn man gerade nicht viel anderes zu berichten hat. Oder absolut emotional – rede dir alles von der Seele und sei dein eigener Therapeut mit dem Tagebuch als Zuhörer das du volljammern kannst bis du dich besser fühlst. Geschichtenmäßig kannst du auch dein Leben dokumentieren – rede dir die Welt, wie sie dir gefällt! Dein Tagebuch hat da nichts dagegen, und was da drin steht, geht niemanden was an. Tagträume und Wünsche lassen sich hier ausleben und festhalten – bis man später mal wieder darüber stolpert und nur noch den Kopf schütteln kann…

Ausprobieren von Farben und kleinen Ideen ohne erst ein Blatt Papier suchen zu müssen. Einfach alles direkt ins Tagebuch, egal was.

Literarische Formen gibt es auch viele. So kann der Tagebucheintrag auch als Gedicht oder Songtext niedergeschrieben werden. Das fördert nebenher kreative Wortfindung und den Sprachsinn. So ist das auch ein super Hirntraining und hält die graue Masse fit.

Sehr wertvoll ist auch das notieren von Ereignissen und Erlebnissen, ob daheim in trautem Umfeld oder auf Reisen. Das Festhalten der Eindrücke in schriftlicher Form, beschreiben von Gerüchen, Geräuschen und Gefühlen kann beim Wiederlesen und Erinnern ein wahrer Genuss sein! Nicht nur wird der visuelle Sinn durch Fotos angesprochen, sondern auch alle anderen Sinne werden an das Ereignis erinnert! Ein weiterer Vorteil schriftlich festgehaltener Ereignisse: um etwas in Worte zu fassen, denken wir über die Dinge nach, betrachten sie genau und überlegen, wie wir es niederschreiben. Dabei prägen sich Details und Situationen viel besser in unser Gedächtnis ein und hilft später, sich besser zu erinnern.

Wer Angst vor der leeren Seite hat, kann einfach mit einem Rahmen beginnen. Linien, Punkte, Kringel – einfache Elemente führen schon zu schönen Ergebnissen, die im wahrsten Sinne des Wortes einen Rahmen schaffen, in den man schreiben kann. Das nimmt die Angst.

Das bringt uns zur nächsten Art von Tagebüchern: Thematisch. Menschen, die Pflanzen lieben und einen Garten haben, könnten ein Gartentagebuch führen. Ich selbst führe ein Traumtagebuch – ich träume viele verrückte Sachen die ich aber schnell vergesse. Das Aufschreiben hilft mir, das geträumte zu verarbeiten, mich besser an den nächsten Traum zu erinnern und außerdem ist vieles zu witzig oder obskur um es nicht auf zu schreiben.

Wer noch immer keine rechte Idee hat, wie er anfangen könnte, kann es mit Fragen probieren. Schreibe dir dazu ein paar Fragen auf wie zum Beispiel „Was hast du heute gelernt?“ „Wie hast du dich gefühlt?“ oder „Für was kann ich heute dankbar sein?“ Versuche deine Fragen jeden Tag zu beantworten. Nach einiger Zeit fällt es leichter und auch die Aufmerksamkeit wird während des Tages schon auf die Beantwortung der Fragen gelenkt und somit auf die positiven Ereignisse. Mit solchen Fragen kann man sogar aktiv sein Leben gestalten. Aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte – daraus lernen kann man nach einiger Zeit auf jeden Fall.

Weitere Aspekte

Sprüche aus Kalendern, Zitate oder Bilder aus Zeitungen lassen sich einfach zu Collagen zusammenstellen, die einen Tag oder ein Gefühl beschreiben oder einfach nur gut aussehen.

Auch an der äußeren Form kann man den Tagebucheintrag seinen Bedürfnissen und Wünschen anpassen. Das Geschriebene kann mit Skizzen, Doodles, Stickern, Stempeln, Zeitungsausschnitten oder Fotos unterstützt und verziert werden. Oder es lässt sich aus all dem auch mal eine Collage erstellen. So entstehen Kunsttagebücher! Ob begabt oder nicht, es macht riesen Spaß und gerade wer sich schriftlich nicht so ausdrücken kann oder möchte, ist das eine schöne visuelle Möglichkeit, Gefühle und Ereignisse festzuhalten. Abstrakt und kreativ!

Tagebücher sind eine tolle Methode für (werdende) Autoren, ihre Schreibmuskeln zu trainieren oder aufzuwärmen. Verfasst man Einträge so, als würde man einen Absatz in einem Buch schreiben, also möglichst spannend und erzählerisch, übt man natürlich entsprechende Fähigkeiten. Noch dazu kann man das Erlebte etwas ausschmücken oder so formulieren, dass selbst ein langweiliger Tag witzig wirkt.

Verschiedene Stifte und Schriften, einfach mal ausprobiert ganz ohne Zwang. Mir macht es Spaß zu experimentieren und im Tagebuch finde ich es auch wieder. Lose Zettel dagegen gehen verloren und gute Ideen und interessante Experimente sind weg.

Wie ich oben schon erwähnte, schreibe ich um des Schreiben-willens gerne. Die Einträge verwendete ich manchmal dazu, neue Handschriften auszuprobieren oder zu festigen. Probiere dich mit alltäglichen Inhalten an einer schönen Handschrift oder notiere Zitate des Tages als Handlettering-Übung. So hast du deine tägliche Portion Schreibtraining plus einen schönen Tagebucheintrag. Ist das nicht praktisch?

Jetzt hast du jede Menge Input zum Thema Tagebuch schreiben und ich hoffe, etwas davon spricht dich an und ich konnte dich inspirieren ein eigenes Tagebuch zu beginnen. Schreibe doch in den Kommentaren, ob du Tagebuch schreibst und wenn ja, in welcher Art!

Für weiteren Lesestoff empfehle ich das Heft „Schreib an dich! – 26 Arten ein Tagebuch zu führen.“ von Angelika von Aufsess. Hieraus habe ich auch ein paar Ideen für diesen Beitrag entnommen – Frau von Aufsess beschreibt aber noch weitere Variationen und Vorzüge des Tagebuch-schreibens. Es ist schnell durchgelesen und macht Lust auf ein eigenes Tagebuch.

Fotos einzeln oder ergänzend zum Text.

Die Handwerkskunst

Bücher zu binden ist ein großes Feld in dem viele verschiedene Handwerke zusammen arbeiten und der Buchbinder bindet diese am Ende alle zu einem Werk. Vom Papierschöpfen zum Färben und Marmorieren, das Holz aus dem Wald für die Buchdeckel, die Tiere von denen das Leder kommt, das Gerben und vorbereiten. Druckereien, Kalligraphisten, Fotografen, Autoren die den Inhalt gestalten, Kunsthandwerker die Metalle zu Schließen, Buchecken, Nieten und Schlössern verarbeiten. Dann braucht man Garn, Gaze und Leim damit das ganze zusammenhält und am Ende wird noch geprägt oder gebrannt. Edelsteine die eventuell eingearbeitet werden und noch viele andere Dinge die benutzt werden können ganz zu schweigen.

Nach drei Jahren Ausbildung ist ein Buchbinder soweit fertig und hat doch nicht ausgelernt, da gibt es ja noch das Feld der Restauration das total interessant ist. Da wird mit Chemie geprüft und fixiert, gerettet und repariert was die Jahrhunderte von den alten Schätzen übrig gelassen haben, zum Teil komplett neu eingebunden. Einen Meister findet man heutzutage nur noch selten. Man könnte aber auch einfach mit ein paar Resten anfangen und sein erstes schiefes, flattriges aber total schönes und trotzdem verwendbares Junk-Journal zusammen flicken. Es ist ein so vielseitiges und nützliches Handwerk, das in jeder Könnens-Stufe schöne Werke hervorbringen kann.

Mit dem gebundenen Buch ist es ja noch nicht zu Ende. Es möchte ja auch gefüllt werden. Oh und was schreibt man nicht alles in so ein Buch! Ein gutes Buch nimmt man gerne überall mit hin, ist ein ständiger Begleiter auch wenn es mit der Zeit abgestoßene Ecken und einen fleckigen, zerkratzten Einband hat – man liebt es umso mehr. Es entlastet unsere Gedanken, unsere Seele selbst dem Buch die Sorgen und Gedanken anzuvertrauen die uns jeden Tag belasten. Und wenn man es nach Jahren wiederfindet, darin schmökert, magisch.


Altes Buch zu neuem Glanz

Dieser Roman von 1939 „Das Gauklerzelt“ von Otto Brües gehörte meiner Mutter und ist noch in altdeutscher Schrift gedruckt. Ursprünglich hatte das Buch einen Softcover-Einband, also nicht besser als dickeres Papier.

Eigentlich sollte sich der Beitrag dieses Wochenende nur um eine Reparatur des Buchrückens drehen. Ich suchte mir den Roman aus, da es auf den ersten Blick nicht allzu beschädigt schien. Der Schein trügt das ungeübte Auge. Der Leim war schon bröckelig, dass sich die Heftlagen zu lösen drohten, der Buchrücken ist beim Ablösen fast zu Staub zerfallen. Kein guter Zustand und lesen würde das so niemand mehr. Allerdings ist die Bindung noch hochwertig mit Fäden geheftet – allein dieser Tatsache ist es geschuldet, dass es nicht komplett zerfallen ist. Obwohl ich weniger Aufwand geplant hatte, wurde es eine komplett-Überarbeitung des Einbandes.

Möchtest du selbst nach diesem Bericht ein Buch reparieren, ist es von Vorteil, wenn du grundlegende Kenntnisse im Buchbinden besitzt und schon einmal einen Einband hergestellt hast. Außerdem sind ein paar Werkzeuge und Materialien zum Buchbinden sinnvoll.

Werkzeuge

  • Cutter/Buchbindermesser
  • Lineal mit Stahlkante
  • Schneidunterlage
  • Falzbein
  • Leimpinsel
  • Bleistift
  • Geodreieck
  • Lappen/Tuch
  • etwas zum Einspannen/Fixieren des Buchblocks

Materialien

  • Buchbinderleinen
  • Pappe
  • farbige Einbandpapiere
  • Zeitungen/Papiere zum Leimen
  • Buchbinderleim
  • Gaze
  • Wachs-/Backpapier

Der erste Schritt beim Reparieren ist eine Bestandaufnahme der Mängel, und das gründlich. Es ist dem Buch nicht geholfen, wenn es nur etwas geleimt wird, obwohl sich darunter der alte Klebstoff auflöst. Nur keine Angst überall etwas herum zu zupfen. Was sich leicht löst, wäre früher oder später von alleine abgefallen und braucht ein Makeover.

Vorsichtig werden die Buchdeckel mit einem Messer abgetrennt und der Rücken abgelöst. Da das Papier des Buchrückens fest mit dem Buchblock verleimt war, musste ich das Papier anders ablösen. Da kann es leicht passieren, dass es danach nicht mehr zu gebrauchen ist, so auch hier. Ich habe mit einem feuchten Lappen nachgeholfen und das Papier vorsichtig betupft. So lies es sich dann abziehen.

Ich entschied mich, neue Buchdeckel aus Pappe zu fertigen. Das alte Cover war zu zerschlissen. Da ich die Buchdeckel trotzdem dünn haben wollte, verwendete ich eine Rückseite eines Malblocks. Die Pappen stehen an den offenen Seiten des Buches ca. 1 bis 2 mm über.

Für den Buchrücken verwendete ich einen Streifen Buchbinderleinen. Auch hier ist es sinnvoll auf die Laufrichtung des Gewebes zu achten, sonst kann es später zu Problemen beim Öffnen des Buches führen. Der Streifen ist etwa drei mal so breit wie das Buch dick ist und ca. 4 cm länger als die Höhe des Buches. Auf dem Streifen wird die Mitte markiert und die Breite des Buchrückens plus die Dicke der zwei Pappen angezeichnet, damit später alles gerade aufgesetzt werden kann.

Die Pappen leime ich auf den Streifen. Zum einleimen lege ich immer Zeitung unter und entferne sie sofort, bevor ich weiter arbeite. So vermeide ich Leimflecken. Die überstehenden Laschen klappe ich ein und falze sie gut in die Kanten der Pappen.

Zurück zum Buchblock der sehr nackt und empfindlich aussieht. Der Rücken wir mit einem Pinsel eingeleimt, dabei achte ich darauf, vor allem an den losen Stellen den Buchbinderleim etwas zwischen die Lagen und Seiten zu bekommen. Mit den Fingern streiche ich links und rechts entlang, um alles zusammen zu drücken. Geschützt mit etwas Wachstuch oder Backpapier kann der Buchblock zum Trocknen auch gepresst werden. Bei diesem Buch war das aber nicht nötig.

Zum späteren fixieren im Einband verwende ich Gaze. Alternativ lässt sich hier auch gut Mullbinde verwenden. Der Gazestreifen ist so lang wie das Buch hoch und wird mittig aufgesetzt. Vorher und nachher gebe ich noch eine dünne Schicht Leim auf den Buchrücken. Die Gaze wird mit den Händen fest gezogen.

Während alles trocknet bereite ich das Einbandpapier vor. Ich wählte ein alt-rosa farbenes Papier, es gleicht sehr stark der originalen Einbandfarbe. Zur Buchfläche werden auf drei Seiten 2 bis 3 cm Streifen dazugegeben. Diese werden später eingeschlagen.

Als der Buchblock trocken war, bekam das Buch einen sauberen Schnitt mit dem Stapelschneider. Hast du so ein Gerät nicht, kannst du es mit einem scharfen Messer versuchen oder auch einfach lassen. Ich für meinen Teil mag den vintage Look von alten Büchern ja eigentlich, aber die Vorderkante war schon sehr uneben durch den gebrochenen Rücken.

Bevor ein Buchblock in seinen Einband kommt, teste ich vorher ob der Einband auch wirklich passt. Die Buchdeckel müssen flach schließen und der Buchblock darf niergends über stehen.

Da der Einbandrücken nur aus Buchbinderleinen besteht, wird der Buchblock direkt mit dem Rücken an das Leinen angeleimt und gut fest gedrückt. Die Gaze wird nun an den Pappen festgeleimt. Sie saugt sehr viel Leim auf, daher kann hier zwei Mal bestrichen werden. Im geschlossenen Zustand wird die Gaze angedrückt. Den Buchblock kann man mit Wachstuch oder Backpapier schützen.

Jetzt kommen die vorbereiteten Einbandpapiere zum Einsatz. In diesem Fall habe ich das Papier von innen her befestigt und die Laschen nach außen umgeschlagen. Außen wird dann zum Schluss das alte Cover wieder aufgeklebt, daher braucht es hier keinen Einband.

Im nachhinein betrachtet, würden die Ecken sicher besser aussehen, wenn der Einband trotzdem außen aufgetragen wäre und zum Kaschieren von innen noch ein anderes Papier verwendet werden würde.

Vor dem Einschlagen der Laschen, trimme ich die Ecken mit einer Schere. Dabei lasse ich einen Abstand von ca. 2 Pappenstärken zur Ecke. Dieser Überstand kann nach dem Umfalten der oberen und unteren Lasche mit Fingernagel oder Falzbein eingeklappt werden. So entstehen saubere Ecken.

Das alte Cover und die Rückseite hatten sehr unebene Ränder. Diese habe ich mit dem Cutter sauber getrimmt. Danach das alte Cover einfach sauber mittig aufkleben. Mit Zeitung unter, über und zwischen den Deckeln das ganze ein paar Stunden pressen. Ist es sehr klamm, zwischendurch die Zeitung auswechseln. Perfekt wären Küchentücher, da hier nicht die Gefahr besteht, dass Druckerschwärze auf das Buch kommt.

Es gibt immer viele Wege und Lösungen zu einem Ziel, sicher hätte man dieses Buch auch ganz anders reparieren können. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, manches würde ich bei meinem nächsten Buch aber trotzdem anders machen.

Eigenes Marmorpapier – ganz einfach

Auf Buntpapieren bekommt man schöne Ergebnisse ohne viel Aufwand

Bist du auch so ein Fan von marmorierten Sachen? Also mir gefallen diese zufälligen Muster in verschlungenen Linien in die man alles mögliche hineininterpretieren kann total gut. Ich kann stundenlang auf einem Marmorpapier Muster und andere Bilder und Gestalten finden. Hier erkläre ich dir, wie du ganz einfach richtig schöne Marmorpapiere selbst herstellen kannst!

Materialliste

Du brauchst ein paar Dinge, bevor du loslegen kannst.

  • flache Wanne. Suche dir ein Gefäß oder einen Behälter, der wasserdicht ist. Es muss groß genug sein, dass dein Papier liegend hinein passt. Beispiele: alte Auflaufform, Unterteil eines Fensterbrettgewächshauses, …
  • Normalkleister. Am besten in Pulverform, ohne Zusätze. Vielleicht ist vom letzten Mal Tapezieren noch was übrig?
  • Eimer/Schüssel. Nicht absolut notwendig, aber macht es einfacher zum Anrühren der Flüssigkeit auf der wir marmorieren.
  • Acrylfarben. Jede funktioniert. Auf buntem Papier kommen schwarz und weiß am Besten zur Geltung, du kannst aber auch mit anderen Farben experimentieren. Wenn du Metallic-Effekt Farben hast, dann probiere auch diese aus. Einen Schimmer gibt es auf jeden Fall auf dem Blatt!
  • Gefäße für die Farbe. Zum Beispiel saubere Dosen, alte Tassen, Joghurtbecher…
  • Pinsel. Je einen pro Farbe die du verwenden möchtest. Aber mit mehr als drei würde ich nicht gleich starten. Die Pinsel sollten nicht zu klein sein, die Größen zwischen 5 und 16 sind ideal für den Anfang. Alte Pinsel sind vorzuziehen, da sie in der Farbe stehen bleiben, sie müssen nicht gut aussehen.
  • Papier. Unsere wichtigste Zutat. Suche dir festere Buntpapiere auf die das Marmor-Muster später drauf kommt. Es geht auch normales Kopierpapier, dies ist aber oft zu dünn zum Weiterverarbeiten. Büttenpapier lässt sich wunderbar marmorieren, weil es sich nicht wellt.
  • Altes Tuch oder Schwamm. Damit säuberst du später die Papiere vom Kleister. Am besten fusselfrei.
  • Unterlagen. Nimm Wachstischdecken oder Zeitungen, um das gefärbte Papier dann ablegen zu können. Ideal ist eine glatte Oberfläche wie z. B. auch ein Laminat oder PVC Boden – es trocknet ja alles und man kann es leicht wegmachen.
  • Zeit. Für die Vorbereitung – was sich aber auch gut am Vortag machen lässt, und auch für das Marmorieren selbst. Die Papiere brauchen Platz zum Trocknen und das kann schon einige Stunden dauern. Außerdem lassen sich die Farben schlecht aufbewahren, bis zum nächsten Tag halten sie schon, aber man möchte ja nichts verschwenden.

Übersicht der Arbeitsschritte

  1. Marmoriergrund anmischen – Zwei bis drei Stunden vor dem eigentlichen Marmorieren oder auch am Vorabend wird das Kleister-Wasser-Gemisch vorbereitet. 1 gestrichener EL auf 1 L Wasser, gut rühren und ruhen lassen.
  2. Farben vorbereiten – Die Acrylfarben werden in den Dosen/Bechern mit Wasser verdünnt.
  3. Farben auf Marmoriergrund aufbringen – Mit den Pinseln wird die Farbe auf den Grund aufgetragen, verzogen und gestaltet.
  4. Papier auflegen – möglichst ohne Blasen.
  5. Papier abziehen und säubern.
  6. Trocknen und Glätten der Papiere.
  7. Anwendungsbereiche für Marmoriertes Papier

Ausführliche Anleitung mit Tipps und Erfahrungen

Marmoriergrund anmischen

Als Marmoriergrund wird die Flüssigkeit bezeichnet, auf der die Farbe dann schwimmen soll. Da Wasser eine Oberflächenspannung hat, schwimmen die Pigmente dann in dieser Schicht. Damit sie nicht untergehen, wird dem Wasser noch etwas zugesetzt um der Farbe mehr „Halt“ an der Oberfläche zu geben. Das ist in unserem Fall der Kleister. Es entsteht ein Schleim, der die Acrylfarbe daran hindert, unter die Wasseroberfläche zu sinken. So kann das aufgelegte Papier dann die Farbe einsaugen. So entstehen Marmorpapiere.

Zum Anmischen nimmst du pro Liter Wasser einen flach gefüllten Löffel voll Kleisterpulver und mischst es in das kalte Wasser gut ein. Nach ca. 20 Minuten rüherst du nochmal kräftig um, sollten sich Flocken gebildet haben, kannst du auch einen Rührbesen verwenden um sie aufzulösen. Ist die Flüssigkeit ohne Flocken, kann sie in das Becken gegossen werden. Hier lässt du den Marmoriergrund erst mal 30 Minuten ruhen und mischst ihn anschließend nochmal gut durch. Das geht am besten mit den Händen.

Der Marmoriergrund sollte flüssig sein und sich eher wie Wasser anfühlen. Ist er zu dick, kannst du mehr Wasser nachgießen. Jetzt die Mischung nochmal 1 bis 2 Stunden ruhen lassen, bis alle Blasen weg sind und die Oberfläche ganz ruhig und klar ist. Durch das Ruhen sinken die Zellulosepartikel aus denen Kleister besteht leicht ab und an der Oberfläche bildet sich eine feinen wässrige Schicht, die dann die Farbe hält. Diesen Arbeitsschritt kannst du auch am Vortag durchführen, desto länger das Becken ruhen kann, desto besser werden die Ergebnisse.

Farben vorbereiten

Ist die Ruhezeit des Marmoriergrundes fast rum, kannst du anfangen deine Farben vorzubereiten. Gib dazu für den Anfang in zwei der Becher etwa eine haselnussgroße Menge – in den einen schwarze und den anderen weiße Acrylfarbe. Mische die Farben im Becher mit etwa zwei Teelöffel voll Wasser. Sie sollten recht flüssig werden damit sie später auf dem Marmoriergrund besser verlaufen. Es kommt etwas auf die Farben an, wie viel Wasser zugegeben werden muss, bis sie passen, aber das kannst du während du ausprobierst noch austesten. Stelle die Farben zum Becken mit dem Marmoriergrund und lege pro Farbe einen Pinsel bereit.

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Muster entstehen lassen

Jetzt kann es los gehen! Lege deine Papiere in Reichweite zurrecht, prüfe ob du die gefärbten Papiere auch in der Nähe ablegen kannst und suche dir die erste Farbe aus. Mit dem Pinsel kannst du die Farbe auf zwei Arten auf die Oberfläche bringen. Du kannst mit dem Pinsel spritzen aber pass auf die Umgebung auf – Acrylfarbe ist nach dem Trocknen wasserfest – oder du „malst“ direkt auf der Oberfläche. Dazu berührt die Pinselspitze nur die Oberfläche des Wassers und du wirst merken, dass sich die Farbe sofort ausbreitet.

Ist das nicht der Fall, ist noch zu viel Kleister im Becken. Dann braucht die Mischung noch etwas Wasser und das Ganze nochmals ruhen lassen. Am Anfang kann es sein, dass die Ränder der Farbflächen noch etwas grießelig sind, nach zwei oder drei Papieren gibt sich das aber meist, wenn der Marmoriergrund genug Zeit hatte sich zu setzen. Wenn die Farben sofort an den Boden sinken, dann ist zu wenig Kleister in der Mischung, oder du bist mit dem Pinsel zu tief eingetaucht. Es kann auch sein, dass die Acrylfarbe nicht wässrig genug ist. Probiere es aus!

Hast du genügend von einer Farbe auf den Marmoriergrund aufgetragen, kann die zweite Farbe hinzugegeben werden. Das machst du auf die gleiche Art und Weise. Experimentiere ruhig etwas. Du kannst die zweite Farbe direkt in die erste hinein tupfen oder über die Oberfläche ziehen. So entstehen schon erste verschlungene Muster. Bewege dich immer langsam, damit du die Oberfläche nicht aufwühlst. Es gilt, desto mehr Farbe auf der Oberfläche ist, desto intensiver wird das Ergebnis. Die Pigmente der Farbe verteilen sich gleichmäßig über die Oberfläche, und wenn es mehr wird, sind sie natürlich dichter. Bist du zufrieden mit den Farben, kannst du sie weiter verziehen – entweder mit dem Pinsel oder auch mit einem Schaschlikspieß oder etwas anderem langem und dünnen. Bewege dich auch hier immer langsam. Oft reicht es, das Wasser nur „anzuschupsen“, die Wellen tragen dann die Farbe weiter.

Papier auflegen

Gefällt dir die Oberfläche, kann es auf das Papier übertragen werden. Nimm dazu das Papier diagonal an den Ecken, also die linke untere und die rechte obere Ecke oder anders herum. Das Papier wird leicht gewölbt und auf die Oberfläche „aufgerollt“ indem du die untere Ecke weiter fest hältst und das Papier mit der Wölbung nach unten langsam auf das Wasser drückst. Dann kannst du die Ecken los lassen. Das Papier bleibt eine Weile auf der Oberfläche liegen damit es die Farbe aufnehmen kann. Du kannst das Papier auch leicht andrücken. Halte die Seiten die sich eventuell aufrollen leicht nach unten gedrückt fest. Wenn sich ganz sachte das Muster auf der Rückseite abzeichnet, kann das Papier herausgezogen werden.

Das Papier abziehen und säuber

Halte das Papier an zwei Ecken der gleichen Seite und ziehe es – wenn möglich – über den Rand deiner Wanne, damit der überflüssige Kleister abgestreift wird. War die Farbe zu dicht, zieht sie jetzt vielleicht Streifen. Dann kannst du mit dem freuchten Tuch oder Schwamm vorsichtig über das Papier tupfen und die Schlieren entfernen. Das Tuch muss immer mal ausgewaschen werden, aber das merkst du dann schon, wenn es zu glibbrig wir. Optimal und ideal wäre es natürlich, wenn man ein Brett z. B. in eine Badewanne stellen kann und das Papier mit sanftem Wasserstrahl abwaschen könnte. Mir ist der Aufwand aber zu groß, erst bis ins Bad zu laufen mit jedem Papier, die ja auch tropfen. Wenn du einen Garten hast, wäre es aber im Sommer ein toller Spaß, das draußen zu machen. Mit dem Gartenschlauch lässt sich das Papier dann einfach abspülen. Aber vorsicht, dünnes Papier reißt leicht, wenn es nass ist. Hier empfiehlt sich dann Tonpapier oder Farbkarton zu verwenden.

Auf dem Marmoriergrund werden noch Farbreste übrig bleiben. Damit die neue Farbe nicht verunreinigt wird, lassen sich mit den Farbresten tolle „Briefpapiere“ gestalten. Nimm dazu schlichtes Kopierpapier und lege es einfach nochmals auf die Wasseroberfläche. Das Muster wird sehr dezent und sanft auf dem Papier erscheinen, so dass man noch darauf schreiben kann. Du kannst natürlich auch einfach wieder Farben dazu mischen, wenn du sowieso die gleichen Farben weiter verwenden möchtest und dir das alte Muster nichts ausmacht.

Trocknen der Papiere

Achte beim Trocknen der Papiere darauf, dass sie nicht am Untergrund festkleben. Das kann vor allem bei Zeitung leicht der Fall sein. Lass die Papiere zwischendurch „wandern“ indem du sie an einen frischen Platz legst. So vermeidest du, dass der Kleister dein Marmorpapier mit der Unterlage verbindet. Liegen die Blätter auf einer nicht saugfähigen Untergrund erübrigt sich dieser Schritt natürlich. Hier kann es nur sein, dass du das Papier nach dem Trocknen an manchen Stellen vorsichtig ablösen musst.

Glätten der marmorierten Papiere

Die meisten Papiere werden sich mehr oder weniger stark verziehen und wellen wenn sie trocken sind. Eine einfache Möglichkeit sie wieder einigermaßen glatt zu bekommen ist, sie zu pressen. Lege dazu alle trocknenen Papiere aufeinander – achte darauf, dass wirklich nirgendwo mehr Kleisterflecken sind – und staple schwere Bücher oben drauf. Sind deine Blätter größer, kannst du auch erst ein Brett auf den Stapel legen, und dann Bücher oder schwere Steine darauf legen. Gut sind auch Gewichte von Hanteln oder du findest sogar ein Möbelstück, das du mit einer Seite auf das Brett stellen kannst. Das Gewicht solle so schwer sein, dass du es nicht so einfach hochheben kannst. Hier lässt du die Marmorpapiere über Nacht ruhen.

Marmorpapier – was jetzt?

Schön und gut wenn man eine Anleitung für selbstgemachte Papiere hat, nur was macht man dann mit dem ganzen Blättern? Schöne Papiere lassen sich vielfältig weiter verarbeiten. So lassen sich die Blätter zu Briefumschlägen oder Karten weiterverarbeiten. In der Buchbinderei werden sie für den Vorsatz oder auch als Einband verwendet. Hier kommt es nur darauf an, wie robust das Papier ist. Auch schön sind Kisten und Boxen die mit marmorierten Papier eingebunden sind oder auch als Geschenkpapier für kleinere besondere Geschenke. Oder wie wäre es mit Origami? Alles was man mit normalem Papier machen kann, lässt sich auch auf das Marmorpapier übertragen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!