Das Kapitalband

Des Öfteren rede ich von „handgestochenem Kapitalband“ oder „selbst hergestellten Kapitalbändchen“. Aber was ist das eigentlich?

Schauen wir uns ein Buch mal an. Buchdeckel kennt jeder, das sind die Dinger die fester sind als das Innenpapier auf dem der Text steht und vorn und hinten am Buch sind. Meist ist darauf ein Titel zu sehen, bei gedruckten Büchern hinten ein kurzer Text zum Inhalt. Und der Buchblock ist das dazwischen, das was dich an einem Buch inhaltlich interessiert. Am Buchrücken kommt alles zusammen und wird entweder mit Leim oder auch mit Faden zusammen gehalten.

Das Kapitalband – oder auch Kaptalband – hat etwas mit dem Buchrücken und dem Buchblock zu tun, denn es sitzt oben und unten am Buchblock und schließt die Lücke zum Buchrücken. Dieses Bild wird alles verdeutlichen:

Dieses kleine unscheinbare Ding bekommt von Buchbindern mehr oder weniger Aufmerksamkeit je nach Wert des Buches, Kenner achten darauf, Leien übersehen es. Es ist irgendwie ein Detail der Wertschätzung des Buches. Selbst in unseren modernen Zeiten hat es noch einen Zweck: Es verbindet optisch den Buchblock mit dem Buchrücken und schützt so auch vor Staub, da es die Lücke schließt.

In frühesten Buchbindezeiten vernähte man die Seiten aus Pergament mit recht dickem und robustem Zwirn. Dieser wurde oben aus den Seiten heraus gezogen und oben am Buch um ein weiteres Stück geschlungen und kunstvoll verknotet. Sie verbanden die Buchdeckel direkt mit dem Buchblock und unterstützten so die Haltbarkeit und Dauerhaftigkeit des Buches, da die Streifen bis in die Buchdeckel hinein geflochten waren.

Bis zum 16. Jahrhundert verwendete der Buchbinder dann für das Kapitalband Leder- oder Pergamentstreifen die oben nur angelegt wurden und dann mit farbigem Garn umschlungen wurden. Dabei wurde der Faden mit einer Nadel immer wieder durch die Lagen der Seiten gezogen. Die sogenannten handgestochenen Kapitalbänder, wie auch ich sie an hochwertigen Büchern anfertige und im Bild zu sehen ist. Alte Buchbinder machten daraus regelrechte Kunstwerke mit drei oder mehr Farben und einer zweiten oder dritten Wulst.

Seit dem 18. Jahrhundert wird das gewebte Kapitalband, das wir auch heute noch kennen, verwendet. Es wird maschinell hergestellt und ist im prinzip ein gewebtes Stoffband mit einem Wulst auf einer Seite. Du hast es sicher schon an gekauften Büchern gesehen, die als Hardcover oder fadengeheftet verkauft wurden.

(Bilder der gewebten Kapitalbänder von Wikipedia – frei zu nutzende Bilder)

Und was sind jetzt andgefertigte Kapitalbänder? Das ist ein Zwischending. Sie sind nicht direkt an den Buchblock gestochen, was sehr aufwändig und viel Zeit (und Nerven) kostet. Sie sind auch nicht billig maschinell hergestellt. Ich stelle mir aus Stoff, Leder oder Garn selbst Kapitalbänder her, die ich abschneiden und aufkleben kann. So kann ich individuell an das Buch angepasste Kapitalbänder herstellen, die aber einfach zu verwenden und anzubringen sind und habe von beiden Varianten die Vorteile genutzt. Hier zwei Beispiele:

Für hochwertige Bücher (oder Bücher wo ich denke, dass sie es werden) verwende ich meist die handgestochene Variante. Mir gefallen die Knötchen die sich bilden und irgendwie ist es auch eine sehr meditative Technik. Die handgefertigte Variante – gewickelt oder aus Stoff – wird bei Notizbüchern, einfachen Skizzenbüchern oder Büchern die ins Budget des Auftraggebers passen sollen verwendet. Mit Stoffen kann man mitunder schöne Spielereien machen, auch eine sehr schöne Technik. Gewebte von der Industrie verwende ich echt ungern. Eigentlich nur wenn die angebotene Farbe gerade passt, es ein sehr kleines Buch ist, wo meine selbst hergestellten zu dick werden oder wenn es ein wirklich sehr einfaches Buch ist das dann auch nicht so viel kosten wird.

Und hier noch ein Video, wie ich bei meinem Magic Book das Kapitalband gestochen habe. Man sieht nur das Wickeln und Knoten, aber der Faden muss auch ab und zu mit einer Nadel durch die Lagen geführt werden.

video

Jetzt weißt du, was das ist, woher es kommt und was man damit anstellen kann. Viel Spaß mit deinem neu erworbenen Wissen über Bücher!

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